Lutherweg Thüringen 6. Etappe

 Heute ging ich früher aus dem Haus, um einen Zug eher nach Neustadt zu nehmen, denn Komoot sagt mir, dass die Etappe  26km lang ist. Also frühstücke ich im Zug und bin schon um 10 Uhr in der Stadt.

Ich versuche mein Glück am Lutherhaus, doch dass hat auch Mittwochs geschlossen. Im Bürgerbüro bekomme ich einen Stempel der Stadt in meinen Pilgerausweis. Dann laufen ich zum Stadtmuseum, aber das öffnet erst 12 Uhr und somit habe ich keine Chance in die Stadtkirche zu kommen, um den Cranachaltar zu bestaunen. Dafür entdecke ich ein Wegzeichen auf dem Fußboden, dass mir unbekannt ist.

Ich folge der Beschilderung aus der Stadt in das Dörfchen Börthen, wo ein frisch saniertes Nebengebäude mir auffällt.



Am Wegesrand stehen Schafe und halten ihre Nasen in die Sonne.


Weiter geht es gemächlich bergauf und an einem Waldrand entlang. Von oben habe ich, trotz Diesigkeit, einen bezaubernden  Blick in die Orla-Senke.


In der Sonne zu laufen ist herrlich und allmählich komme ich auf Betriebstemperatur, nur die Nase zwickt bei -6°C.

Ich komme in einen großen Fichtenwald und mein Herz wird weit, wenn die Augen das Glitzern des Schnees sehen und die Sonne durch die Bäume scheint. Das Licht- und Schattenspiel ist immer faszinierend.



Dann steht ein Blockhaus im Wald und ein Schild sagt, dass es dem Jagdverein Pößneck e.V.gehört. Ein recht großes Areal, mit Weitsicht, dass sich als Schießplatz entpuppt.



Ich bin auf dem Höhenweg, der die ehemalige " Hohe Straße" ist. Dies war eine Handels- und Kaufmannsstraße im Mittelalter, welche mit Pferden und Kutschen befahren wurde. Wegelagerer machten jede Reise zu einem Abenteuer und wer sicher sein wollte, musste "Geleitzoll" für bewaffnete Knechte zahlen. Inzwischen bin ich in einem Mischwald unterwegs, ohne Knechte und ganz allein.

Dann komme ich zu den "14 Eichen", wo eine Schutzhütte mit Feuerstelle und Schaukel steht. Ich schaukel natürlich eine Runde, bevor ich weiterlaufe.



Der Weg führt mich mit moderaten An- und Abstiegen kilometerweit durch den Wald, vorbei an einem zugefrorenen Weiher nach Langendembach.





Hinunter und über einen Bach laufe ich auf der anderen Seite einen sehr steilen Weg wieder nach oben, um dann nach Hummelshain zu kommen. Schon von Ferne sehe ich das märchenhafte Schloß über dem Ort thronen. Schnell laufe ich hinab und im Ort vorbei am schiefen Weihnachtsbaum zum Schloß.



 




Ein Blick durchs Fenster, da niemand vor Ort ist. Das Schloß wird von einem Förderverein und der Denkmalstiftung liebevoll saniert. Ein wahres Kleinod.


       Blick von der Terrasse.

             Arkade mit himmelblauen Mosaik

       Auch von der Seite imposant.

                Der Uhrturm.

Im Park röhrt der Hirsch. Aber leider gibt es hier keine Bank in der Sonne, sodass ich meine Mittagspause verschieben muss.


Hinter dem Schloss führt der Lutherweg am Waldrand entlang und hier pfeift der Wind, sodass ich meine Nase tief im Schal verstecke. Ich quere die L 1110 und am Parkplatz Chauseehaus finde ich ein sonniges Plätzchen für die wohlverdiente Pause. Doch die Kälte treibt mich weiter, zumal ich erst in etwa die Hälfte des Weges geschafft habe und es schon 14 Uhr ist.
Heute ist der Weg perfekt ausgeschildert und so kann ich gedankenverloren laufen. Dann muss ich erst einmal an einem Baum "baden", denn ich entdecke einen wunderschöne, alten Baum.


Dann geht es weiter zur Jagdanlage Rieseneck. Ein einmaliges, perfides, barockes Kleinod der "Jagdkunst".( ca. 1717). Das Wild wurde durch Fütterung auf die Wiese gelockt und aus den Jagdgängen wurden es geschossen.




Von da laufe ich noch zum Herzogenstuhl, einem Jagd/ Lustschlösschen Herzog Ernst II von Sachsen- Altenburg nach dem Vorbild des Topplerschlösschens in Rothenburg ob der Tauber. Es wirkt ziemlich lustig in seiner Höhe mitten im Wald.



Dann muss ich mich langsam sputen, denn die Sonne beginnt ihren Sinkflug. Auf einem herrlichen Waldweg laufe ich steil hinab nach Kleineutersdorf zur Saale hinunter.




Ich quere die Saale und bestaune fasziniert die bizarren Eisrosen am Rande des Flusses. Es sieht aus wie Textil. 



Nun sind es nur noch drei Kilometer bis zum Ziel.
Auf der anderen Saale- Seite liegt Großeutersdorf. Dort thront  oben eine Kirche, doch mir fehlt die Zeit vorbeizuschauen. Ein Weg führt mich steil hinauf auf einen kleinen Kammweg bis nach Kahla. In der Ferne grüßt eine große Burganlage und Google sagt mir, dass es die Leuchtenburg von Seitenroda ist.





In Kahla komme ich mit dem letzten Licht an und laufe durch die Stadt, die hübsch renoviert wurde, direkt zum Bahnhof, um nach Hause zu fahren.





Fazit: Eine wirklich herrliche Wanderung fast ausschließlich auf Wald- und Forst-Wegen mit vielen, interessanten, geschichtlichen Input, Natur pur und ab und an Einkehrmöglichkeiten, wenn man nicht im Winter unterwegs ist.😀 Erfordert wegen der Länge und Höhenmeter eine gute Kondition und braucht etwas Zeit. 






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