Lutherweg Thüringen 5.Etappe

 Mit dem R12 ging es gestern von Leipzig nach Triptis und da passiert mir etwas, das sehr selten ist. 

Eine etwas jüngere Frau sprach mich beim Aussteigen an und fragte, wo ich heute wandere. Ich sage, ich laufe den Lutherweg von Auma nach Neustadt. Sie erzählt mir, dass sie nach Weida wandern möchte und auf dem Weg zur Bushaltestelle unterhalten wir uns. Als ich sie frage, ob sie auch mit dem Bus fährt, zögert sie kurz und fragt, ob sie spontan ihren Plan ändern dürfe und mit mir mit wandern darf. Wow. Klar, warum nicht, dann bin ich mal nicht alleine im Wald. Sie freut sich und meint, sie hätte ihren "inneren Schweinehund" überlisten müssen, um endlich mal wandern zu gehen. Zu zweit wäre es besser. Ja, das finde ich auch und so stellen wir uns auf der Busfahrt vor. 

Grit ist 54, hat heute frei und ist von Beruf Kartographin ( echt spannend) und im Herzen Pflanzenfreundin. Sie engagiert sich bei der NABU, den Biologen und ist mit dabei eine Baum- App für Leipzig zu erarbeiten. Ich bin begeistert über diesen interessanten Zufall des Lebens. So erfahre ich, dass es auf dem Warener Friedhof einen Erdbeerbaum gibt, der eine Rarität ist. 

In Auma steigen wir aus und laufen zu dem Bäcker, der das letzte Mal so leckere Teilchen hatte, doch der hat Montags geschlossen. Nun geht es ohne weiteren Proviant dem "L" folgend aus Auma hinaus, am Sophienbad vorbei in einen schönen Winterwald. Je nach Windstärke ist der Schnee verweht und von fast nix bis knöcheltief stapfen wir durch den Wald.


Langsam versucht die Sonne Oberhand zu gewinnen und dadurch sind die -4°C sehr angenehm. Wir plaudern recht viel und irgendwie sind wir schon beide viele Wege gelaufen ( Hexensteig, Rennsteig...) und teilen unsere Erfahrungen. 

Nach anderthalb Stunden kommen wir zu einem Rastplatz und machen eine kleine Pause. Grit teilt ihr Brot mit mir und der Tee dampft in der Tasse.



Die heutige Etappe führt einsam durch Wald und Flur. Ortschaften sind nicht am Weg und das macht den besonderen Reiz für mich aus. Die Beschilderung ist gut, nur nach dem Stück Weg an der L235 fehlt der Hinweis auf dem Feldweg nach links. Doch ein Blick auf die Karte lässt uns nicht falsch laufen.

Über Felder laufen wir im Sonnenschein und queren die A 9. Dort geht es in den nächsten Forst.



Dann wird der Forstweg zu einer Baustellen - Zufahrt und ist richtig breit. Wir staunen am Bauzaun über das begonnene Bauwerk und rätseln, was es wird. Wahrscheinlich Windräder und ich staune über die Größe des Fundamentes.



Wir verlassen den Forst und queren die B 281, um dann über einen Feldweg nach Neustadt an der Orla zu laufen. Vorher genießen wir auf einer sonnigen Bank eine zweite Pause.


In Neustadt begrüßt und dieses Haus.

" Neustadt an der Orla...da trifft man sich."

Leider ist der Slogan heute fehl am Platz, denn weder die Kirche mit dem Cranach- Altar, noch das Lutherhaus oder die Touristen - Info sind offen. Auch alle Cafés sind entweder Montags oder dauerhaft geschlossen. Einen Bäcker finden wir auch nicht. Schade, so bleibt uns nur ein kurzer Stadtrundgang.

          Ehemalige Kirche des Augustinerklosters

Heute der Durchgang zur Gesamtschule.
                 Rathaus

                 Rathaus von hinten

                 Lutherhaus 


Die ehemaligen Fleischbänke von 1475, eine Ladenstraße von ehemals 17 Läden, sind noch 9 erhalten und sind einmalig in Europa. Sie würden tatsächlich schon zu DDR- Zeiten saniert.
Die Anlage wurde vor mehr als 500 Jahren zu dem Zweck geschaffen, dass die Fleischer nur hier und unter Aufsicht eines vom Stadtrat beauftragten Fleischaufsehers ihre Produkte verkaufen durften. Es wurde streng darüber gewacht, dass die Fleischer die festgelegten Preise und die hygienischen Bestimmungen einhielten und dass die Qualität der Waren den Anforderungen entsprach. Auch hier ist heute alles leider auch geschlossen.

                 Haus von 1902

Dann laufen wir zurück zum Bahnhof, um nach Leipzig zu fahren.


Das ist Grit, meine zufällige, lustige Wanderbegleiterin. Was für ein überraschendes Erlebnis.

Fazit: Sehr schöne Strecke in freier Natur. Absolute Genussmomente.





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