Lutherweg Thüringen 7. Etappe

 Nachdem der Wintereinbruch vorbei ist, bin ich heute Morgen mit dem Zug nach Kahla gefahren.

Kahla ist die Stadt des Porzellans im Osten, doch nirgends wird darauf hingewiesen. Das finde ich erstaunlich. Ich laufe vom Bahnhof zur Stadtbibliothek, da dort die Stadtinformation ist. Einen Stempel bekomme ich dort nicht, doch den Tipp mit dem Pfarramt. Das liegt auf dem Weg, aber auch dort gibt es keinen Lutherwegstempel. Dann eben den Kirchenstempel zur Erinnerung.

Durch die Scheunengasse komme ich zur Saale und laufe auf einem noch schneeigen, überfrorenen Weg am Ufer der Saale nach links. Dank Wanderstöcke komme ich langsam voran. Am Ufer steht eine Komoran- Kolonie, die sich nicht stören lässt. Die Gänsesäger schwimmen aufgeregt zur Flussmitte.



Über eine alte Eisenbrücke von 1936 gelangen ich auf die andere Seite und laufe einen rutschigen Weg bergan. Meine Stöcke leisten mir hier gute Dienste.




Ich gelange in einen Wald und zwischen den Bäumen wabbert noch der Nebel. Mir wird schon warm und so landen Mütze, Handschuhe und Schaltuch im Rucksack.


Der Weg ist super ausgeschildert und führt stetig bergan. Nach einem langen Anstieg geht es dann extrem steil nach oben in Richtung Pfaffenberg. Nur Dank meiner Stöcke bewältige ich diesen Abschnitt, der auch noch durch die Nässe Schmierseifenartig rutschig ist. Oben angekommen zittern meine Knie und ich muss mich kurz setzen.


Oben bin ich am Dohlenstein und von hier kann ich ins Land schauen und vor mir schon die Leuchtenburg sehen. 


 
Es geht wieder bergab und dann bergan zur Straße, die zur Burg führt. Hier drin soll die größte Porzellan- Vase der Welt ( 8m ) stehen. Doch mir fehlt im Winter leider die Zeit für Besichtigungen, denn der Weg ist weit und der Tag schnell vorbei. So schaue ich mir nur das moderne Besucherzentrum an, ziehe meine Jacke aus und gehe weiter.





Blick von der Burg in die Weite

 
Nun laufe ich bergab auf einer Straße nach Seitenroda. Dort wetzt ein Mann das Messer und bereitet sein Mittagessen vor. 


Die Straße führt auf einen schönen Wiesenweg nach Seitenbrück. Dieses Dorf hat wunderschöne, sanierte Fachwerkhäuser. Die ältesten sind von 1800.











Inzwischen kommt die Sonne immer wieder durch die Wolken und es läuft sich herrlich. Ein Stück geht es auf der Landstraße bevor ich in einen Wald abbiegen. 


Ich wundere mich über die vielen Forstfahrzeuge im Wald und denke an Holzfäller, bis ich auf die Jagdgesellschaft stoße. Am Rande liegt die erste Beute und ich frage, ob ich ohne Gefahr weitergehen kann. Ja, sie sind fertig mit der Jagd.



Später treffe ich eine Jägerin, die in der Schale auf ihrer Anhängerkupplung ein Rehkitz liegen hat. Zwei Jagdhunde streichen drumherum. Ich habe Mitleid mit dem Kitz und frage sie, ob es sie nicht traurig findet, ein Kitz zu schießen. Sie meint: Nein. Die Mutter hat sie auch erlegt, und zeigt sie mir auf der anderen Seite. Damit sie ihr Kitz nicht sucht. Das würde sie nämlich. Diese Aussage trifft mich und das sage ich auch. Daraufhin kommt der trockene Kommentar: Das ist sehr lecker. Ich winke ab und sage, dass ich Vegetarierin bin. Sie meint das war die letzte Jagd in dieser Saison und es gebe ja genug Wild. Ich staune trotzdem, dass sie so einfach auf ein Lebewesen schießen kann.


Dann merke ich, dass ich falsch bin und laufe an dem ganzen Trauerspiel noch einmal vorbei. Tatsächlich stehen die Autos vor der Markierung. Ich laufe durch den sonnigen Wald und hänge meinen Gedanken nach. Der Weg führt mich nach Unterbodnitz, mit seiner interessanten Kirche. Leider ist sie verschlossen.



Ich setze mich auf die Stufen, genieße mein Mittagsbrot und die Sonne im Gesicht.


Durch das Dorf geht es auf einer kleinen Asphaltstraße und dann auf dem Radweg in das Scheibental.




Ich quere einen gefrorenen Bach und das erste Schmelzwasser gurgelt über das Eis.
Danach geht es wieder bergan und hier hat die Sonne den Weg schon abgetrocknet. Ich laufe hoch und habe einen schönen Blick ins Tal der Saale. An einer kleinen Quelle trinke ich kaltes Wasser aus der hohlen Hand.




Oben verläuft der Weg ein Stück auf dem Kamm, bevor es wieder abwärts bis zur Saale geht. 



Über den Maulwurf- Hügel- Weg laufen ich ein Stück an der Saale entlang, doch bald geht es noch einmal in den Wald und stetig bergauf.



So gelangen ich auf den Eichberg, zur " Rabenschüssel" einem herrlichen Aussichtspunkt mit einem vom Wind geneigten Baum.



 
Ja und wer oben ist, muss auch wieder runter und der Abstieg ist ein sehr schmaler Weg, der an der Sonne abgewandten Seite wieder sehr schlüpfrig ist.
Er endet an einem Parkplatz und von da geht es auf einer kleinen Asphaltstraße zur K3, die nach Jena führt. Eine Reiterin kommt mir entgegen.





 Ich komme in die Nähe des Autobahntunnels und nun ist es nicht mehr weit bis zum Bahnhof. Allerdings endet genau an dieser Stelle die bisher exzellente Ausschilderung, sodass ich nun die Karte brauche. Ein Blick zurück zeigt mir, dass die Sonne untergeht. Perfektes Timing.




Unter der Autobahn zwischen den Brücken komme ich zum Bahnhof Jena- Göschwitz. Mein Zug fährt erst in 45 Minuten und hier gibt es tatsächlich einen Imbiss und eine Wärmehalle am Bahnhof. Ich bin begeistert und setze mich mit Kaffee und Kuchen hinein. Ich kann sogar mein Handy etwas Strom geben. Wow, dass es das noch gibt!


Fazit: Eine sehr schöne, teilweise alpin anmutende Wanderung durch schöne Dörfer und traumhafte Natur. Mit 796 Höhenmetern bergauf und 847 Höhenmetern bergab nicht ganz ohne.🫢




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